Gemeinsame Erklärung zur Polizeigewalt am Olympiastadion: Eskalationsstrategie der Polizei Berlin endlich beenden!

Im Nachgang des Dialogs vom Mittwoch, 21. Januar verkündete Innensenatorin Iris Spranger, dass sie keine rechtsfreien Räume in Berlin akzeptiere.
Wir nehmen Sie beim Wort, Frau Spranger! Viel zu häufig verwandelte die Polizei Berlin Teile des Olympiastadions und seines Umfelds in der Vergangenheit in ebenjene rechtsfreien Räume, in denen Fußballfans anlasslosen Provokationen und Gewalttätigkeiten der Einsatzhundertschaften ausgesetzt waren.
Den Höhepunkt dieser Eskalation markiert der Angriff der Polizei auf die Ostkurve Hertha BSC vom 17. Januar 2026 – an einem Tag, der für den Verein Hertha BSC und alle seine Fans ganz im Zeichen des Gedenkens an Kay Bernstein stehen sollte. Allen Deeskalationsversuchen der Fanszene zum Trotz, die sich angesichts der Gewaltsuche der Beamten vom angestammten Treffpunkt auf dem Vorplatz der Ostkurve bis in den Eingangsbereich der Ostkurve zurückzog, drang die Polizei unter Tritten, Schlägen, Knüppel- und Reizgaseinsatz in die Ostkurve ein. Hierbei wurden unterschiedslos alle Fans vor Ort angegriffen und verletzt. Der Eingangstunnel der Ostkurve, an dessen Ende sich die Rollstuhlfahrerplätze und die vollbesetzten Ränge befinden, wurde regelrecht mit Reizgas geflutet. Flankiert wird die Eskalation der Gewalt von Widersprüchen und Lügen in den Stellungnahmen der Polizei Berlin.
Wir nehmen mit Sorge zur Kenntnis, dass die Eskalation durch die Polizei zu einer Vielzahl an
Verletzten führte. Die Polizei kommunizierte vorschnell eine zu niedrige Anzahl verletzter Fans, welche nur die durch den Sanitätsdienst im Olympiastadion versorgten Herthaner einbezog. Die Verletztenstatistik der ZIS wird wiederum vom Verursacher Polizei und der Innenpolitik als Beweis für eine angebliche Zunahme der Fangewalt in deutschen Stadien verwendet, wie wir es erst jüngst in den Diskussionen um die Innenministerkonferenz (IMK) im Dezember 2025 erlebt haben.
Weniger Beachtung fand indes die Gewalt gegenüber den mitgereisten Gästefans aus Gelsenkirchen, wo es bereits am Blockeingang und während des Spiels zu Provokationen und Übergriffen kam und insbesondere nach Spielende durch grundloses, gewaltsames Einwirken der Polizei im Bereich der Treppen des S-Bahnhofs Olympiastadion schwere Verletzungen in Kauf genommen wurden. Im Internet kursierende Videos belegen die Darstellungen der Königsblauen Hilfe.


Dabei reihen sich diese Übergriffe nahtlos ein in eine provozierende und auf Eskalation ausgelegte Strategie der Polizei Berlin. In unserer Stellungnahme vom 17. Januar 2026 beklagten wir die Eskalationsstrategie der letzten 6 Monate gegenüber Herthafans. Diese Strategie der ständigen Eskalationssuche betrifft auch die Gästefans am und im Olympiastadion, teilweise sogar schon länger. Viele Fanszenen bezeugen das Vorgehen der Berliner Polizei:

  • Am 13. Dezember 2024 empfing Hertha BSC den SC Preußen Münster: Die Fanhilfe
    Münster berichtet, dass beim Blockeinlass die anwesende Hundertschaft sehr rabiat,
    gewalttätig und vor allem unverhältnismäßig aufgrund von Lappalien, wie z. B. der
    Weitergabe von Tickets gegen anwesende Fans vorging.
  • Anlässlich der Begegnung am 1. November 2025 führte das Fanprojekt Dresden eine
    Umfrage unter ca. 2.000 Dynamo-Fans durch: Die Polizei Berlin erhielt eine
    unterdurchschnittlich schlechte Bewertung. Kritisiert wurden Schubsen, rücksichtsloses
    Vorgehen, Gewaltanwendungen sowie eine als übertrieben empfundene Polizeipräsenz. (Link)
  • Am 21. November gastierte Eintracht Braunschweig zum Freitagabendspiel in Berlin: Die
    Blau-Gelbe Hilfe stellte Provokationen und Beleidigungen durch die eingesetzten
    Polizeibeamten fest, die sich zudem in die durch den Sicherheitsdienst durchgeführte
    Kontrolle der Fanmaterialien am Stadioneinlass einmischte. Dort wurde der
    Sicherheitsdienst durch Polizisten explizit angewiesen, Intimkontrollen durchzuführen.
    Unter Verweis auf die Rechtswidrigkeit dieser Maßnahme verweigerte der
    Sicherheitsdienst deren Durchführung. Die Fanbetreuung von Eintracht Braunschweig
    kann diesen Vorgang bestätigen.
  • Die Rot-Weiße Hilfe Kaiserslautern war bei ihren letzten Auswärtsspielen in Berlin mit
    einer überzogenen Polizeipräsenz direkt hinter der Einlasskontrolle und speziell bei der
    Kontrolle der Fanmaterialien konfrontiert. Unverständlich waren zudem die beim
    Pokalspiel am 2. Dezember 2025 aufgefahrenen Wasserwerfer am Südtor des
    Olympiastadions.
  • Die Fanhilfe Magdeburg stellte sowohl im Dezember 2025 als auch in den
    vorangegangenen Gastspielen massives Fehlverhalten der Polizei Berlin fest, wodurch
    etliche Fans des 1. FC Magdeburg körperliche Verletzungen erlitten. (siehe auch
    Stellungnahme vom 19.02.2024)
  • Die Königsblaue Hilfe berichtet von „einer sinnlosen, gewalttätigen und eskalativen
    Einsatzstrategie“ im Rahmen der Begegnung vom 17. Januar 2026. (Link)
  • Selbst Spiele gegen den Karlsruher SC wurden trotz der bekannten Fanfreundschaft von
    übertriebenen, polizeilichen Maßnahmen begleitet, etwa durch den aufsehenerregenden und unnötige Kosten verursachenden Hubschraubereinsatz im April 2025. (Link)
  • Auch die Fanhilfe von Fortuna Düsseldorf und die Fanszene des DSC Arminia Bielefeld
    teilen die geschilderten Eindrücke.

Von der Gewaltsuche seitens der Polizei sind leider auch die Gästefans bei Herthas
Amateurmannschaft in der Regionalliga Nordost betroffen. Auch bei den Spielen im
Amateurstadion gab es in jüngster Vergangenheit Übergriffe durch Einsatzkräfte:

  • Am 12.09.2025 gastierte der BFC Dynamo bei Herthas Zweitvertretung. Ein immer enger
    werdender Polizeikessel und Aussagen wie „Ich habe richtig Bock, einen von euch
    wegzuhauen“ verdeutlichen die Eskalationslust der Einsatzhundertschaft. Die Fanszene
    des BFC stellt regelmäßig Versuche der Polizei Berlin fest, Freiräume der aktiven Fankultur zu durchbrechen und die Gesundheit von – oft jugendlichen – Fußballfans aufs Spiel zu setzen.
  • Die Fanszene Babelsberg erlebte die polizeiliche Eskalationsstrategie am 30.11.2025 und
    stellt diese ebenfalls in einen generellen Kontext. Das konfrontative und provozierende
    Auftreten der Polizei Berlin fällt ihnen bei vielen Auswärtsspielen in Berlin auf.
  • Am 14.12.2025 kam es zu anlassloser Polizeigewalt gegenüber den mitgereisten
    Gästefans aus Jena, wobei viele Fans und der Fanbeauftragte des FC Carl Zeiss Jena
    verletzt wurden. (Link)
  • Die Fanhilfe Zwickau und die Fanszene des FC Rot-Weiß Erfurt schließen sich den
    Vorwürfen an.

Da sich Berlins Innenverwaltung, Polizei und Hertha BSC nun – nach dem seit November 2025 andauernden Ausschluss von Vereinsvertretern von Hertha BSC aus den
Sicherheitsbesprechungen durch die Polizei – wieder an einem Tisch befinden, rufen wir dazu auf, ein sicheres Stadionerlebnis für Fußballfans im Olympiastadion Berlin zu gewährleisten:
Die Eskalationsstrategie der Polizei gegen Hertha- und Gästefans muss beendet werden!

Fanhilfe Hertha BSC
Königsblaue Hilfe
Fanhilfe Karlsruhe
Schwarz-Gelbe Hilfe – Fanhilfe der SG Dynamo Dresden
Fanhilfe Münster
Blau-Gelbe Hilfe – Eintracht-Fans für Fanrechte
Lokal Crew Bielefeld
Fanhilfe Magdeburg
Fanhilfe Fortuna
Rot-Weiße Hilfe Kaiserslautern
Blau-Gelb-Weiße Hilfe Jena
Fanhilfe Zwickau
Fanszene BFC Dynamo
Fanszene Babelsberg
Fanszene Erfurt